Ich möchte euch gern ein paar Gedanken zu Rapsöl und auch ein bisschen zu Sonnenblumenöl dalassen. Nicht, um jemanden zu belehren oder zu überzeugen, sondern weil das mein persönlicher Weg war und sich meine Sicht auf diese Öle im Laufe der Jahre stark verändert hat.
Als ich angefangen habe, mich wegen meiner HS intensiver mit Ernährung zu beschäftigen, habe ich ganz selbstverständlich Sonnenblumenöl benutzt. Butter fast gar nicht. Die galt ja lange als der absolute Bösewicht. Dazu kommt, dass ich genetisch herzkrank bin und sehr früh gelernt habe, auf ärztliche Empfehlungen zu hören, wenn es um Ernährung geht. Sonnenblumenöl gut. Butter schlecht. Das habe ich geglaubt. Ohne groß zu hinterfragen.
Irgendwann habe ich dann zum Glück angefangen, selbst zu lesen, zu vergleichen und mir meine eigenen Gedanken zu machen. Und plötzlich war das Bild nicht mehr so klar. Sonnenblumenöl wirkte auf einmal nicht mehr ganz so harmlos. Margarine sowieso nicht. Und Butter war plötzlich nicht mehr der Feind, als der sie jahrelang dargestellt wurde. Olivenöl war irgendwie schon immer akzeptiert. Das schien niemandem weh zu tun.
Also habe ich umgestellt. Butter statt Margarine. Rapsöl statt Sonnenblumenöl. Und viele Jahre war ich überzeugt, damit auf der richtigen Seite zu stehen.
Dann kamen Corona, der Krieg in der Ukraine und dieser komplette Ausnahmezustand rund um Sonnenblumenöl und später auch Rapsöl. Leere Regale, Hamsterkäufe, Panik. Und ich habe mich gefragt: Warum eigentlich genau diese Öle?
Also habe ich wieder angefangen zu lesen. Diesmal tiefer.
Was mir dabei klar wurde: Der heutige Raps hat mit dem Raps von früher kaum noch etwas gemeinsam. Er wurde über viele Jahrzehnte gezielt gezüchtet, damit er hohe Erträge bringt, robust ist und sich für die industrielle Verarbeitung eignet. Das ist keine klassische Gentechnik, sondern Hochleistungszüchtung. Aber das Ergebnis ist ähnlich: eine Pflanze, die vor allem für Masse und Effizienz optimiert ist.
Dasselbe gilt für Sonnenblumenöl. Auch hier geht es um riesige Anbauflächen, um Ertragssicherheit und um Wirtschaftlichkeit. Gerade in Ländern wie der Ukraine spielte der Sonnenblumenanbau eine enorme Rolle.
An diesem Punkt bekam ich zum ersten Mal so ein richtig ungutes Bauchgefühl. Nicht, weil einzelne Bauern etwas falsch machen, sondern weil dieses System zwangsläufig auf Masse ausgelegt ist. Und Masse bedeutet fast immer Kompromisse bei der Qualität.
Dazu kommt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. In diesen Anbaumengen geht es kaum ohne. Auch Bio ist nicht automatisch unbelastet, das zeigen unabhängige Tests immer wieder. Weniger heißt nicht null.
Ein weiterer Punkt, über den kaum gesprochen wird: Aus Samen bekommt man Öl nicht einfach durch Pressen allein. Vor allem bei den günstigen Ölen ist das ein technischer Prozess, der mit Hitze und weiteren Verarbeitungsschritten arbeitet, damit sich das Ganze wirtschaftlich lohnt und genug Öl herauskommt.
Und dann frage ich mich ganz ehrlich: Wie gesund kann ein Produkt sein, das so billig, so hochverarbeitet und in solchen Mengen produziert wird?
Was mich zusätzlich stutzig macht, ist dieses massive Lobpreisen von Rapsöl. Es gilt als das perfekte Alltagsöl. Es steckt mittlerweile sogar in Butter, damit sie streichfähiger ist. Und da darf man sich schon fragen: Geht es hier wirklich nur um unsere Gesundheit oder auch um Absatzmärkte und wirtschaftliche Interessen?
Ich will hier keine Verschwörung aufmachen und niemandem Angst machen. Aber ich finde, man darf sich diese Fragen stellen. Vor allem dann, wenn wir uns anschauen, wie viele Menschen trotz angeblich gesunder Ernährung mit Herzproblemen, Entzündungen und Stoffwechselerkrankungen kämpfen.
Für mich persönlich heißt das heute: Rapsöl ist für mich kein ideales Öl mehr, schon gar nicht zum Braten. Und diese extrem günstigen Literflaschen für ein paar Euro finde ich mittlerweile eher abschreckend als beruhigend.
Ich habe für mich andere Wege gefunden. Ich nutze Olivenöl, Avocadoöl, Kokosöl und ganz bewusst auch wieder Butter. Nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung. Und weil es sich für meinen Körper richtig anfühlt.
Mir geht es nicht darum, jemandem etwas zu verbieten oder schlechtzureden. Mir geht es darum, dass wir anfangen, wieder mehr nachzudenken und weniger alles zu glauben, nur weil es lange genug wiederholt wurde.
Was man daraus macht, ist am Ende ganz individuell. Es geht nicht darum, alles sofort auszutauschen oder Angst vor jedem Tropfen Öl zu haben. Es geht eher darum, bewusster hinzuschauen und sich zu fragen, was man täglich und selbstverständlich benutzt. Für mich persönlich heißt das heute, lieber weniger verschiedene Öle zu nutzen, dafür bewusst ausgewählte. Olivenöl, Avocadoöl, Kokosöl und die gute alte Butter. Nicht perfekt, sondern alltagstauglich. Ich wechsle ab, ich höre auf meinen Körper und ich erwarte von keinem, das genauso zu machen.
Vielleicht ist genau das der Punkt. Nicht blind Trends hinterherlaufen, sondern wieder ein Gespür dafür entwickeln, was einem selbst guttut. Und sich erlauben, alte Überzeugungen auch mal zu hinterfragen, wenn sie sich nicht mehr richtig anfühlen.