Viele Betroffene von Hidradenitis suppurativa suchen neben klassischen Therapien nach ergänzenden Wegen. In diesem Artikel erzähle ich offen von meinen eigenen Erfahrungen mit Ernährung, Stressmanagement, Supplementen und Homöopathie, ordne sie in den wissenschaftlichen Kontext ein und zeige, wie individuelles Handeln und evidenzbasierte Medizin zusammenwirken können. Außerdem gibt es einen Wiki-Artikel, der die wichtigsten alternativen Ansätze sachlich zusammenfasst und mit Quellen versieht – für alle, die sich tiefer informieren möchten.
Wenn man viele Jahre mit einer chronischen Erkrankung lebt, kommt irgendwann der Punkt, an dem man merkt: Ich kann nicht nur warten. Ich kann nicht nur hoffen, dass das nächste Rezept alles löst. Ich will verstehen, was in meinem Körper passiert. Und ich will selbst Verantwortung übernehmen.
Genau an diesem Punkt stand ich auch.
Ich habe erlebt, wie es ist, Therapien auszuprobieren, Nebenwirkungen zu haben, sich nicht immer verstanden zu fühlen und trotzdem weiterzumachen. Und ich habe erlebt, wie sehr sich mein Leben verändert hat, als ich begonnen habe, selbst zu recherchieren, Zusammenhänge zu verstehen und Schritt für Schritt Dinge in meinem Leben anzupassen.
Das betrifft Ernährung. Das betrifft Stress. Das betrifft Supplemente. Das betrifft meinen Umgang mit meinem Körper.
Ich bin ehrlich: Ich habe persönlich sehr gute Erfahrungen mit bestimmten komplementären Ansätzen gemacht, unter anderem auch mit Homöopathie. Für mich war das kein Placebo im Sinne von "Einbildung", sondern Teil eines Gesamtkonzeptes, das mir geholfen hat, stabiler zu werden. Gleichzeitig weiß ich, dass die aktuelle wissenschaftliche Studienlage bei Homöopathie keine über Placebo hinausgehende spezifische Wirkung bei entzündlichen Erkrankungen belegt. Beides darf nebeneinander stehen: meine Erfahrung und die Datenlage.
Auch beim Thema Vitamin D oder bestimmten sekundären Pflanzenstoffen gehen Meinungen auseinander. Ein Mangel sollte ausgeglichen werden, das ist unstrittig. Wie hoch dosiert wird, wie lange und mit welchem Zielwert, sollte individuell entschieden und kontrolliert werden. Ich habe für mich Wege gefunden, die funktionieren. Aber ich weiß auch, dass solche Entscheidungen immer den gesamten Kontext berücksichtigen müssen.
Ein weiteres Beispiel aus meinem Leben: Vor vielen Jahren wurden bei mir relevante Gefäßverengungen festgestellt. Heute sind diese in der Bildgebung nicht mehr nachweisbar. Das ist objektiv dokumentiert. Ob das an bestimmten Supplementen lag, an meiner Ernährungsumstellung, an Gewichtsveränderungen, an Stressreduktion, an dem Aufhören mit dem Rauchen oder an der Kombination all dieser Faktoren, kann ich wissenschaftlich nicht beweisen. Was ich weiß: Mein gesamter Lebensstil hat sich verändert. Und das hat nachhaltige Wirkung gezeigt.
Genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt.
Viele alternative Methoden berichten von Erfolgen. Wenn man genauer hinschaut, wurden häufig gleichzeitig mehrere Dinge verändert: Zuckerreduktion, weniger hochverarbeitete Lebensmittel, Gewichtsabnahme, besserer Schlaf, Stressmanagement, Rauchstopp. All das beeinflusst nachweislich Entzündungsprozesse im Körper. Meist ist es ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren, nicht nur einer.
Hidradenitis suppurativa ist eine komplexe Erkrankung, bei der Entzündungen im Körper eine zentrale Rolle spielen. In den dermatologischen Leitlinien (Stand 2015), zum Beispiel von der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV), werden bestimmte Therapien empfohlen, die in hochwertigen Studien untersucht wurden. Dazu gehören auch Biologika. Diese Medikamente sind keine Modeerscheinung, sondern gezielte Eingriffe in definierte Entzündungswege. Für manche Menschen sind sie lebensverändernd, für andere nicht geeignet – beides existiert.
Ich habe genug davon, blind Anweisungen zu befolgen. Aber genauso wenig möchte ich, dass alles nur aus Prinzip abgelehnt wird. Mein Wunsch ist, dass Menschen mit HS informiert sind, verstehen, was passiert, und mutig ihren eigenen Weg finden und gehen können.
Für mich heißt das:
• Schaut auf eure Werte, lernt, was sie bedeuten.
• Lasst euch Zielbereiche erklären, fragt nach, bis es wirklich Sinn für euch ergibt.
• Scheut euch nicht, nach Alternativen zu suchen.
• Wenn ihr unsicher seid, holt euch eine zweite Meinung.
• Informiert euch aus seriösen Quellen und vertraut eurer eigenen Beobachtung.
Wenn ihr alternative Ansätze ausprobieren wollt, dann tut es bewusst, schaut genau hin, prüft mögliche Wechselwirkungen – gerade, wenn ihr Immunsuppressiva oder Biologika nehmt. Seid ehrlich zu euch selbst: Was hilft wirklich und was ist vielleicht nur Hoffnung?
Es geht nicht um "Ärzte gegen Patienten". Es geht um Zusammenarbeit auf Augenhöhe, um Respekt, Offenheit und die eigene Verantwortung. Es geht darum, dass ihr euren Körper versteht, ihm zuhört und selbst den Weg findet, der für euch funktioniert.
Ich bin meinen Weg gegangen – mit Fehlern, Umwegen, vielen Fragen und auch einigen Tiefpunkten. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören, kritisch zu denken, ohne mich in Extreme zu verlieren. Genau dieses Gefühl wünsche ich auch euch: die Kraft, Verantwortung für euch selbst zu übernehmen, ohne radikal zu werden. Die Offenheit, Neues auszuprobieren, ohne leichtgläubig zu sein und das Vertrauen in euren eigenen Körper, aber auch den Respekt vor dem, was die Wissenschaft zeigt.
HS ist komplex. Es gibt selten die eine Ursache und fast nie die eine Lösung. Was wirklich wirkt, ist meist ein ganzes Zusammenspiel aus medizinischer Therapie, Lebensstil, Ernährung, Stressmanagement und den eigenen Erfahrungen.
Und genau dieses Zusammenspiel dürfen wir ernst nehmen, wertschätzen und mutig für uns nutzen – Schritt für Schritt, so wie wir selbst es brauchen.
Mehr zu alternativen Ansätzen bei HS:
Einen kompakten, evidenzbasierten Überblick zu den wichtigsten alternativen Methoden findet ihr in unserem Wiki-Artikel:
Alternative Ansätze bei Hidradenitis suppurativa – Wiki
HS.Ehrlich. – das ist mein Versprechen.
Ich werde hier schreiben, was andere sich nicht trauen zu sagen.
Im Namen von so vielen, die jeden Tag tapfer durchhalten.
Und die eines verdienen: Gehört zu werden.
Bleibt stark.
Eure Bine
